1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Postkarten, Gestaltung: Swinxgrafix

Von „Bohei“ bis „zocken“

Jiddische Wörter in unserem Alltag

 

Viele Wörter, die wir selbstverständlich benutzen stammen aus dem hebräischen bzw. jiddischen.

Drei schöne Begriffe, die aus dem jiddischen stammen hat Cindy Schmid zum Auftakt des Festjahres „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ wunderbar illustriert.

Plakate, Gestaltung: Swinxgrafix

Das erste Wort ist Schlamassel vom jiddischen Schlimasel – als Gegenstück zu Glück (jiddisch Massel). Schlamassel bedeutet als sich in einer unglücklichen Situation befinden. Das zweite ist meschugge. Das gleichlautende jiddische Wort bedeutet so viel wie verrückt sein. Der dritte Begriff ist für alle Eltern halbwüchsiger Kinder hochaktuell, beschreibt er doch eine jugendliche Lieblingsbeschäftigung, die die Eltern täglich einzudämmen versuchen  – es ist zocken – vom jiddischen zchocken für spielen/ Glückspiele machen.

 

Die Illustrationen finden sich auf Plakatserie und Postkarten. Die Postkarten finden Sie im St.Spiritus und an anderen Auslagestellen, wenn diese wieder zugänglich sind.

 

Die Liste der jiddischen Wörter in unserer Sprache ist lang: So kommt der schöne Ausdruck Bohei  für Getöse, Aufregung vom jiddischen pahei. Auch das Berliner dufte für gut stammt vom jiddischen tov. Das in unseren Breiten sehr geläufige Wort Kaff kommt von jiddischen Kafer  für Dorf. Andere Beispiele sind kess, mauscheln nach dem jiddischen moischele für intrigieren,  Maloche  für  Schwerstarbeit, mies, Mischpoke  nach dem jiddischen Mischpoche  als Ausdruck für die Familie, Ramsch für wertloses Zeug, schmusen, Schmonzette für ein rührseliges Stück, Stuss, Tacheles reden – für Klartext reden geht auf das jiddische Tachles – Zweck, zweckmäßiges Handeln zurück oder Tinnef für wertloses Zeug.

 

Es zeigt einmal mehr, wie stark Menschen und Kulturen verwoben sind. In 2021 bietet sich die Chance von dieser Verbindung noch viel mehr zu entdecken.

 

Online-Kino

Germans & Jews – Eine neue Perspektive – online Filmvorführung am 29.01. um 20 Uhr

Link zur Filmvorführung – hier klicken

Dokumentarfilm, USA 2016, Regie: Janina Quint, 76 Minuten
Ein wertvolles Plädoyer für den offenen Dialog. Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.
Eine Veranstaltung von Koeppenhaus,STRAZE, Partnerschaft für Demokratie und Kulturzentrum St. Spiritus
Deutsche und Juden, warum kann ich diese Wörter nur auf Englisch aussprechen, ohne dass es sich unangenehm anfühlt? Bei einer außergewöhnlichen Dinnerparty in Berlin diskutieren nichtjüdische Deutsche und in Deutschland lebende Juden über ihre hochsensible Beziehung zueinander. Jetzt, über 70 Jahre nach dem Holocaust! Heute lebt in Berlin die am schnellsten wachsende jüdische Bevölkerung Europas. Diese Entwicklung war 1945 absolut unvorstellbar, wie konnte das geschehen? Kann sich ein Jude jemals in Deutschland zu Hause fühlen? „Berlin ist trendy und ich fühle mich hier viel sicherer als in Israel“, sagt ein jüdischer Künstler. Ob er denn ein stolzer Deutscher sei, wird sein Tischnachbar daraufhin gefragt. „Ja, auf eine gewisse Weise schon“, antwortet dieser, „aber nur, weil ich mich meinem Land und meiner Kultur als Patriot der Demokratie und der Menschenrechte verbunden fühle“. So entsteht ein lebendiger kultureller Austausch über den Wandel in Deutschland. Zu Wort kommen auch Persönlichkeiten, wie der verstorbene Holocaust-Historiker Fritz Stern, der deutsch-jüdische Schriftsteller Rafael Seligman oder der deutsche Musiker Herbert Grönemeyer.
„Der Film zeigt, wie sich Deutschland aus einem Abgrund seiner Werte langsam, mit viel Mühe und politischem Fortune, in eine tolerante, demokratische Gesellschaft entwickelt hat. „Germans & Jews“ kam Anfang 2016 in den USA auf den Markt und seitdem hat sich die Stimmung in Deutschland verändert. Antisemitische Gewalt steigt und öffentliche, antisemitische Propaganda fängt wieder Wählerstimmen. Und wieder fragen sich Juden, ob sie in Deutschland noch leben können.“
(Statement der Regisseurin Janina Quint)